zündende (Näh)Gedanken zur Stoffbestimmung – Brennprobe Teil 2 (Vergleiche und Schlussfolgerungen)

Dank Omas Stoffschrank habe ich einige Stoffe adoptiert, deren Zusammensetzung ich zum großen Teil nicht kenne.

Über die Brennprobe zur Stoffbestimmung bin ich daher recht schnell gestolpert, aber ich fand wenig Hinweise, wie man die Sache am besten angeht.
Menschen, die sich bzw. die Stoffschnipsel dabei filmen scheinen auch nicht so häufig zu sein.
Da das kleine Büchlein „Stoff und Faden“ von Constanze Derham versprach auf dieses Thema einzugehen (und weil ich Nachschlagewerke sehr mag), habe ich mir das Mini-Materiallexikon gekauft. Und siehe da…ich habe mich endlich überwunden ein paar Stoffe abzufackeln (und dies bildlich festzuhalten).

Um die Flut an Bildern und Videos auf ein erträgliches Mass zu bringen, werde ich sie auf mehrere Beiträge zur Brennprobe aufteilen.
Dies ist der zweite Teil, der sich mit der vergleichenden Stoffbestimmung beschäftigt:

Bei den meisten Stoffen habe ich eine Vermutung, aus was sie sich zusammensetzen könnten. Nach der Brennprobe war ich nicht immer sicher. Daher fackel ich gerne die ursprünglich oder nachträglich vermutete Zusammensetzung zu Vergleichszwecken ab.


Vermutung: Leinen

Der Stoff fängt gut Feuer und brennt ruhig, leise, gleichmäßig und rußfrei ab. Es funkt allerdings einige Male.
Die Stoffränder kräuseln sich ein, es glüht noch sehr lange nach aber ohne den „Glühwürmchen-Effekt“. Wenn überhaupt bewegen sich die Glutpunkte nur sehr schwerfällig und langsam

Der Geruch ist dezent bis neutral.
Es bleiben zarte, dunkle Rückstände, die sich leicht, leise und vollständig verreiben lassen.

Rückschlüsse: Eigentlich spricht alles für Leinen, doch die Funken irritieren mich.
Beim „Instagram-Live-Coachings“ hat mich Constanze auf die Idee gebracht, dass die Funken nicht zwingend von der Faser an sich, sondern auch von ihrer chemischen Behandlung (oder von Chemie im Stoff) kommen können. Ich wollte auf jeden Fall aber noch vergleichsweise einem Stückchen Leinen beim Verbrennen zuschauen.


Vergleich: Leinen ohne Beimischungen

Der Stoff fängt gut Feuer und brennt ruhig, leise, gleichmäßig und rußfrei ab.
Die Stoffränder kräuseln sich ein, es glüht lange nach und die Glühwürmchen sind aktiv.

Der Geruch ist dezent bis neutral.
Es bleiben zarte, marmorierte Rückstände, die sich leicht, leise und vollständig verreiben lassen.

Schlussfolgerung: Die Stoffe verhalten sich definitiv ähnlich. Die Funken und die Trägheit der Glutpunkte sind die großen Unterschiede. Da der unbekannte Stoff schon recht alt ist und ich mir nicht sicher bin, mit was er damals behandelt und gefärbt wurde, vermute ich, dass es damit zusammen hängt. Also ein irgendwie fies veredelter Leinenstoff..?


Vermutung: Baumwolle mit Polyirgendwas.

Der Stoff fängt schwer Feuer, brennt kurz mit kleiner Flamme, wirft Blasen, rollt die Ränder ein und erlischt wieder.
Wenn man ihn länger in die Flamme hält, brennt er unruhig und brodelnd.
Ruß konnte ich nicht erkennen.

Geruch ist definitiv da, meine Nase ist aber schon abgestumpft. (Ich werde da wohl nochmal zündeln müssen.)
Es bleiben blasige, dunkle Rückstände, die sich leicht aber nicht vollständig verreiben lassen.
Gefühl und Geräusch sind sandig.

Rückschlüsse: Moooment! Das klingt doch eher nach Wolle!? Würde auch erklären, warum die Motten da zugeschlagen haben… Dann kommt jetzt erst noch ein weiterer, möglicher Wollstoffe hinterher. Danach wird mit reiner Wolle verglichen.


Vermutung: Polyirgendwas vielleicht mit etwas Wolle.

Der Stoff fängt gut Feuer und brennt aber nur kurz mit kleiner Flamme, wirft Blasen und erlischt wieder.
Bei längerem Kontakt mit der Flamme brennt er unruhig, brodelnd und vollständig.
Ruß konnte ich immer zu Beginn des Feuerfangens erkennen.

Der Geruch intensiv, meine Nase ist aber schon abgestumpft. (Ich werde da wohl nochmal zündeln müssen.)
Es bleiben blasige, dunkle Rückstände, die sich leicht aber nicht vollständig verreiben lassen.
Gefühl und Geräusch sind sandig.

Rückschlüsse: Hier scheint der Hauptbestandteil auch nicht ein Polyirgendwas zu sein. Damit hatte ich gar nicht gerechnet…ich tippe nun eher auf Wolle mit Polyacryl.


Vergleich: Wolle (Bilder/Videos/Beschreibung sind übernommen aus Teil 1 der Brennproben )

Der Stoffschnipsel fängt schwerfällig Feuer, brennt kurz mit kleiner Flamme, wirft Blasen und erlischt schnell.
Wenn man die Wolle länger in die Flamme hält, brennt sie unruhig und brodelnd.
Ohne Kontakt zur Flamme erlischt sie aber auch wieder.

Der Geruch ist intensiv nach verbranntem Haar.
Es bleiben blasige, dunkle Rückstände, die sich leicht aber nicht vollständig verreiben lassen.
Gefühl und Geräusch sind sandig.

Schlussfolgerung: Die Ähnlichkeit ist definitiv da. Vielleicht habe ich da zwei versteckte Schätze gefunden.


Vermutung: Wolle mit Polyirgendwas.

Der Stoffrand scheint durch die Nähe der Flamme zu schrumpfen, kleine Blasen zu bilden und sich leicht einzurollen.
Bei Kontakt mit der Flamme fängt er aber schnell Feuer, brennt mit großer Flamme wild, brodelnd und stark rußend.
Der Rückstand scheint nach unten zu wachsen.

Der Geruch ist intensiv und unangenehm, aber nicht nach Haar.
Es bleibt ein langer, blasiger, dunkler Rückstand, die sich leicht aber nicht vollständig verreiben lässt.
Gefühl und Geräusch sind sandig.


Rückschlüsse: Wenn überhaupt, ist hier wohl nur ein sehr kleiner Wollbestandteil drin. Doch welche Synthetikfaser ist es denn nun?


Vergleich: Polyester mit Elastan

Der Rand des Stoffstückchens rollt sich schmelzend von der Flamme weg. Bei direktem Kontakt fängt er gut Feuer und brennt mit recht kleiner Flamme wild, brodelnd und stark rußend ab.
Die Rückstände sind zähflüssig und tropfen.
Der auf den Teller getropfte Teil brennt noch einen Moment weiter.

Der Geruch ist unangenehm.
Die dunklen Rückstände habe ich lieber abkühlen lassen.
Sie sind hart und es lassen sich nur die Ränder mit sandigem Geräusch verreiben.

Schlussfolgerung: Am ehesten trifft es die Beschreibung von Acryl, die im Buch zu finden ist. Allerdings ließen sich die Rückstände nicht wirklich schwer verreiben. Vielleicht ist es ja doch eine Mischung aus recht viel Polyacryl und etwas Wolle.


Soweit so verkokelt.
Die Brennprobe ist eine Wissenschaft für sich und nicht so einfach oder eindeutig wie vielleicht erhofft.
Aber sie macht definitiv Spass und leicht süchtig. Daher kommt bestimmt noch ein weiterer Teil.


Alle anderen Brennproben-Episoden:
1. Teil
3. Teil
4. Teil

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. sanftmut sagt:

    Danke für diesen Beitrag! Sehr aufschlussreich!

    Gefällt 1 Person

  2. Hanna sagt:

    Vielen Dank für diesen hilfreichen Post 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. erschöpftes Quota sagt:

      Danke Dir für den netten Kommentar! 😊

      Gefällt mir

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