(Näh)Gedanken zum Maßnehmen und Croquis – MyBodyModel versus zozosuit

Zum Nähen von Kleidung gehört nicht nur das Bedienen der Nähmaschine.
Um passende Teile zu produzieren sollte gründlich Maß genommen werden.
Damit man mit den Kleidungsstücken aber auch glücklich wird, sollte man noch abschätzen können, ob einem der Schnitt am eigenen Körper gefällt.

Diese beiden Faktoren sind für mich nicht einfach.
Das Maßnehmen ist oft schwierig alleine und eine gewisse Unsicherheit bleibt, ob ich das Maßband auch wirklich an die richtige Stelle manövrieren konnte… (Gerade wenn manche Maße dann doch von der typischen Burda-Figur abweichen.)
Mein Kopfkino führt mich nicht immer zu Schnitten, in denen ich mich wohlfühle. Am Model sah das super aus, aber an mir dann doch nicht.

Beim Messen habe ich mir für alleine schwierig zu nehmende Maße mit einem Gürtel geholfen.

Bei meiner Schnittauswahl hat mich das aber nicht weitergebracht.
Ein Zettel voller Einzelmaße macht mir alleine noch kein Bewusstsein für den eigenen Körper.

Dann bin ich über die sogenannten Croquis gestolpert, die in der „Fashionwelt“ bekannten Entwurfszeichnungen des Körpers.
Auf der Seite MyBodyModel kann man das System mit seinen Maßen füttern und sich ein persönliches Figürchen anfordern. Zum Testen und Anschauen ist das kostenlos. Die Anleitung zum Messen fand ich sehr gut.
Mein Test-Bodymodel hat mich allerdings nicht überzeugt.

Mein Schritt und meine Hüfte sehen anders aus.
Ich habe die Linien nach Gefühl abgewandelt und in einem Grafikprogramm nachgezeichnet.

Das kam schon eher hin, aber es hat mich letztendlich dazu animiert das Offensichtliche zu tun – ein Foto von mir in Unterwäsche vor einer weißen Wand zu schießen und die Umrisse abzuzeichnen.

Das kam der Sache schon wesentlich näher. Aber auch hier bleibt einfach die Unsicherheit, ob sich durch Winkel oder Kamera irgendwas „verzogen“ hat.

Dann habe ich einen Artikel über den zozosuit gelesen. Das Teil ist eigentlich nur „Mittel zum Zweck“ um beim entsprechenden Hersteller „maßgefertigte“ Kleidung bestellen zu können.
Ein interessantes Konzept, das bestimmt auch gewisse Vorteile für Selbstnäher haben kann. Denn der Anzug zum Maßnehmen kostet nur das Porto und ist nicht an eine Bestellung gebunden. Mit App und Anzug kann man beliebig oft Maß nehmen.
Hier erhält man aber nicht nur eine Liste mit Maßen, sondern auch eine 3D Animation seines Körpers. Ein Croqui 2.0 sozusagen. 😉

Letztendlich habe ich alle entstandenen Umrisse nebeneinander gestellt.

Die rote Linie ist meine Taille – da wo ich sie (von vorne) sehe.
Laut zozo ist meine Taille die blaue Linie darüber. (Was in der Ansicht von hinten auch stimmig ist…meine „hintere Taille“ ist höher…)
Die blaue Linie darunter soll meine „untere Taille“ sein.
Ok…
Mein Hüftmaß weicht bei zozo um etwa 5cm ab. Ich vermute, dass hier mein Bauch mit eingerechnet wurde. Das habe ich schon in Anleitungen zum Maßnehmen so gelesen.
Ebenso erstaunt mich die Rückenlänge…die ist 4-5cm zu lang und somit im durchschnittlichen Bereich (41,9 cm). Ich gehe davon aus, dass zozo bis zur „unteren Taille“ gemessen hat. Dort ist mein Umfang allerdings etwa 12cm größer als an meiner Taille…und genau das ist ja bei Kaufkleidung mein Problem.
Sonst sind alle Maße stimmig und auch optisch ist mir das Teil „wie aus dem Gesicht geschnitten“.

Natürlich ist das alles Technikspielerei, aber die zozo App könnte tatsächlich eine gute Hilfe zum Maßnehmen sein. Und auch um einen (evtl. besseren) Eindruck des eigenen Körpers zu bekommen.
Außerdem animiert der gepunktete Anzug zum Albernsein…uns zumindest.
Ja – der Kerl hat sich auch so einen Anzug bestellt. Seine Maße und das 3D Model überzeugen auch.

zozosuit mal zwei

Und so unterschiedlich wie wir beiden auch aussehen – wir haben tatsächlich etwas gemeinsam: den Umfang der linken Wade!
*Wer hätte es gedacht*

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9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sehr spannender Vergleich der verschiedenen Systeme. Von dem Anzug hab ich in Nähkreisen schon einmal gelesen – scheint gut zu funktionieren.

    Mein letztes Maßnehmen ist jetzt auch schon wieder 1,5Jahre her – vielleicht sollte ich die auch mal wieder aktualisieren.

    Lieber Gruß Muriel

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    1. erschöpftes Quota sagt:

      Danke Dir!
      Ich glaube der Anzug schwappt erst so langsam zu uns rüber (geografisch und thematisch).
      Das Teil hat mir schon ein paar Nerven geraubt, bis es funktioniert hat. Ein neueres Smartphone (mit ganz guter Kamera) ist auf jeden Fall hilfreich – mit meinem ging es nicht. Auch beim Anziehen des Anzugs hatte ich Spaß… 😉 Ich krieg ja schon bei Strumpfhosen die Krise.
      Wenn man stabile Figurverhältnisse hat, dann muss man wahrscheinlich nicht oft messen. Und natürlich kommt es auch auf die Passform- und Stoffvorliebe an. Wer Körperbetontes aus Gewebtem näht, der ist eher auf aktuelle Maße angewiesen als die Oversize-Sweater-Näherin.
      Außerdem finde ich die Längenmaße und -verhältnisse mindestens genauso wichtig wie die Weiten. Und die bleiben bei kleineren Schwankungen der Umfänge trotzdem aktuell.
      Liebe Grüße!

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  2. Dalia sagt:

    Was ich mich bei dem Zozosuit für NäherInnen schon gefragt habe ist… Und nu? Druckt man dann die Zozofigur aus und malt dann einen Entwurf drauf? Oder nutzen einem die Maße alleine schon mehr als wenn man sich selbst misst, z.B. weißt du jetzt dass bei dir die Taille vorne und hinten wo anders ist aber was macht man da daraus beim nähen?
    (Ehrlich gesagt, habe ich mir schon überlegt mir das Nähen einer Jeans zu ersparen und das dann von Zozo erledigen zu lassen, als ich das Ding das Erste mal gesehen habe.)

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    1. erschöpftes Quota sagt:

      Hi Dalia!
      Das ist ein sehr guter Punkt. 🙂 Und ich würde sagen: Das kommt drauf an.
      Dieses „Probetragen der Schnitte“ ist wohl der Hauptgrund Croquis zu erstellen. Das habe ich selbst noch nie gemacht, bin aber neugierig. (Auf der bodymodel Seite gibt es viele Beispiele.)
      Ähnlich ist es mit den Maßen. Ich habe eigentlich keine Maße oder Erkenntnisse erhalten, die ich nicht schon vorher hatte (auch meine schiefe Taille war mir nicht neu). Ich nutze das um Schnittmuster anzupassen bzw. es bei der Auswahl von Schnitten zu berücksichtigen.
      Ich vermute, dass nicht jeder daraus einen Nutzen ziehen kann. Vielleicht sind Maße für viele auch Nebensache, da die Schnitte einfach so passen. Das ist ja absolut legitim und aus meiner Sicht auch sehr beneidenswert.
      Ich habe die beiden Systeme ausprobiert, weil ich so Technik-Schnickschnack mag und sehr neugierig bin. Man kann das alles auch mit einem Maßband bewerkstelligen und auch ohne Croquis wissen was einem steht bzw. gefällt. 🙂
      Den Jeans-Gedanken hatte ich auch! Ich bin auch tatsächlich nicht ganz abgeneigt da was zu bestellen. Wäre spannend.
      Liebe Grüße!

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      1. Dalia sagt:

        Ich habe mir das Croquis von MyBodyModel auch gekauft, fand es passte auch nach ein paar Anpassungen bei den Maßen (hatte wohl an der falschen Stelle gemessen und dann auch so ein Eck in der Hüfte, außerdem ist es ja noch Beta) und auch schon „Entwürfe“ darauf gemalt. Fand es für mich ganz nützlich, um zu sehen ob was so ungefähr zu meiner Figur passt oder nicht, ob es besser wäre was länger zu machen etc.
        Ich denke auch, dass man ohne Croquis auskommt, aber dann näht man eben immer das gleiche was einem bekanntlichermaßen steht und es wird langweilig oder man näht aufwendigst „mal was anderes“ und merkt dann es steht einem eigentlich nicht… Ist mir natürlich noch nie passiert. 😛

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      2. erschöpftes Quota sagt:

        Ach wie cool! Bin dann erstmal in Deinem Blog und Insta stöbern. 🙂
        Und ja – Fehlentscheidungen trifft man niemal selbst…man weiß es ja besser. 😉

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  3. stoffnotizen sagt:

    Ein schöner Bericht! Ich skizziere meine Nähideen mittlerweile auch auf einem „Bodymodell“, für das ich meine Umrisse ebenfalls von einem Foto abgezeichnet habe. Passt halt dann auch zu dem wie ich mich sehe. Meine Rückenmaße habe ich auch selbst so mit Taillenmarkierung ermittelt und mit Foto verifiziert. Eine Anmerkung zu Deinem Foto vom Maßnehmen: ich würde die Rückenläge anders messen, in der Rückenmitte, auf der Wirbelsäule, ab dem letzten hervorstehenden Halswirbel bis markierte Taille. Aber das ich sehr schwer allein zu fotografieren 😉 Liebe Grüße!

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    1. erschöpftes Quota sagt:

      Dankeschön! Ich werde wahrscheinlich digital mit Skizzen rumspielen und bin gespannt. Danke auch für den Hinweis mit der Rückenlänge. Ich weiß nicht mehr wie dieses Maß betitelt war, das ich auf dem Bild nehme, aber es sollte von der Schulter bis zur Taille gehen. Die Rückenlänge messe ich auch wie von Dir beschrieben. 😊 Liebe Grüße zurück!

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